25te-Jahrestagung_agswn

Notfallmedizinische Jahrestagung

Der Termin für die 26. Notfallmedizinische Jahrestagung steht fest:
18./19. März 2011 in Baden-Baden

Am 12./13. März 2010 fand die 25. Notfallmedizinische Jahrestagung in Baden-Baden statt - mit vielen Besuchern, interessanten Themen und guten Gesprächen.


Als Service für unsere Mitglieder besteht die Möglichkeit, die Vorträge im internen Bereich anzusehen

(nach Login unter INTERN - Dateien für Mitglieder - Vorträge Jahrestagung 2010).


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Am Freitag vormittag nahmen wir uns den „Dauerbrenner“ Aufnahmeverpflichtung der Kliniken vor: Wir haben Ihnen wichtige Vorhaben und Neuerungen im Bereich der Gesetzgebung, der Organisationstrukturen der Kliniken und des Rettungsdienstes vorgestellt. Die Gesetzeslage ist in allen agswn-Ländern einheitlich: Notfälle müssen in den Klinken zumindest erstversorgt werden - die Praxis belegt aber nicht selten das Gegenteil. Der in Rheinland-Pfalz und dem Saarland eingerichtete Landeweite Zentrale Behandlungskapazitätsnachweis - ZLB - ist in diesem Zusammenhang sowohl als Instrument für die Leitstellen im täglichen Einsatz als auch als QM-Instrument von erheblicher Relevanz. Dennoch besteht noch Verbesserungsbedarf. Eine einfache und hocheffiziente innerklinische Option zur Schnittstellenoptimierung zwischen Rettungsdienst und Klinik stellt der zentrale innerklinische Notfallkoordinator - ZINK - dar, den das Westpfalz-Klinikum in Kaiserslautern 2007 eingeführt hat. Seitdem haben sich Ablehnungen von Notfällen auf beinahe Null reduzieren lassen und innerklinischer Prozessabläufe haben sich beschleunigt.

Anschließend blickten wir auf das Jahr 2009 zurück, berichteten Ihnen von der Tagung in Leinsweiler und über die Veränderungen innerhalb der agswn. Wichtigste Veränderung neben vielen Neubesetzungen im Vorstand war die noch stärkere Hinwendung zur Fortbildung, u. a. durch Wechsel der Verbandszeitschrift auf "Notfall- und Rettungsmedizin". Die Mitgliederbefragung zeigte, dass unsere Mitglieder unsere Arbeit schätzen und auf diesem Gebiet, wie auch berufspolitisch, weiterhin hohe Aktivität erwarten.

Medikamentengabe durch Rettungsassistenten, Notkompetenz, erweiterte Versorgungsmaßnahmen - Sie haben die Diskussionen um diese Themen in den letzten Monaten sicherlich verfolgt und / oder sind in Ihrer Tätigkeit als Notärzte oder Rettunggsassistenten unmittelbar von dieser Thematik betroffen. Auf der Jahrestagung diskutierten Sie mit den Referenten über medizinische, praktische und organisatorische Aspekte. Die Medikamentengabe durch Rettungsassistenten ist bei vitaler Indikation wie CPR, schwerer Anaphylaxie, Asthma/COPD im Rahmen der Notkompetenz erlaubt. Bei nichtvitaler Indikation gilt es dagegen, sehr sorgfältig Nutzen und Risiken abzuwägen. Dies betrifft insbesondere die Analgetikagabe. Dabei wurden zahlreiche gute Argumente für die Anwendung von Opiaten, speziell Morphin, auch durch Rettungsassistenten geäußert. Ein Pilotversuch in Mittelhesssen mit Morphin bei Extremitätenfrakturen sei bislang sehr positiv verlaufen. Eine entsprechende Anpassung des BtMGes ist sicher nicht einfach politisch umzusetzen, erscheint nichtsdestotrotz im Sinne der Patienten überfällig. Ketamin wurde mehrheitlich als weniger geeignet bzw. in Kombination mit Benzodiazepinen weniger sicher beurteilt. Insgesamt sei das Ziel nicht Schmerzfreiheit (dies erhöht die Nebenwirkungsrate), sondern deutliche Schmerzlinderung. In allen Fällen ist eine entsprechende Supervision durch einen verantwortlichen und mit Kompetenzen ausgestatteten ÄLRD unabdingbar.

Der Ärztliche Leiter Rettungsdienst ist im Saarland und in Rheinland-Pfalz aus dem Rettungsdienst nicht mehr wegzudenken - die Erfahrungen, die dort gemacht wurden und die Perspektiven für Baden-Württemberg wurden auf der Jahrestagung diskutiert. Besonders vorteilhaft in Rheinland-Pfalz sind die Bemühungen der insgesamt 5 ÄLRD, wann immer möglich landeseinheitliche Regelungen (z. B. Ausstattung der Rettungsmittel) zu finden und so Schnittstellen effizienter und sicherer zu gestalten. Sie werden dabei in vielfacher Hinsicht vom Deutschen Zentrum für Notfallmedizin und Informationstechnologie - DENIT - in Kaiserslautern unterstützt.

Der Samstag Vormittag widmete sich zunächst dem Themenbereich „Thermische Verletzungen" in all seinen Facetten - vom MANV bis zur Antidottherrapie, von der apparativen Diagnostik der CO-Intoxikation bis hin zur Therapie von Blitzverletzungen. Hauptgefahr bei Verbrennungen ist die Hypothermie - wie Daten der BG Klinik Ludwigshafen eindrucksvoll belegen. Kortikoide sind nicht indiziert, bei Bronchospastik im Rahmen einer Rauchgasinhalation gelten die üblichen Empfehlungen. Bei Gesichtsverbrennungen und Schädigungen der Atemwege ist die Intubation rechtzeitig vorzunehmen. Bei Bewusstlosigkeit ist stets an Intoxikationen durch Brandgase zu denken, bei Schock an mechanische Begleitverletzungen. Cyanocobalamin bei Cyanidintoxikationen gilt als sicher und effektiv, speziell bei gleichzeitiger CO-Intoxikation; unterschiedliche Auffassungen bestehen jedoch bezüglich der Notwendigkeit der Vorhaltung auf den Rettungsmitteln. CO/COHb-Messung ist heute nichtinvasiv möglich und ausreichend genau. Der Rettungsdienst, zumindest aber die Feuerwehren sollten die Beschaffung solcher Geräte thematisieren.

Unsere Gesellschaft altert - dies spiegelt sich unübersehbar in der Alltagswirklichkeit im Rettungsdienst wider. Was müssen, sollen, können und dürfen wir am Ende des Lebens noch tun? Zurückbleibende Angehörige nach Reanimationen oder tödlichen Unfällen, Suizide, soziale Krisen: Welche Unterstützung kann uns die Notfallseelsorge in Grenzsituationen bieten? Antworten auf diese Fragen gaben uns Referenten aus dem Bereich der psychosozialen Notfallversorgung. Deutlich wurden die vielfältigen Indikationen für die Notfallseelsorge und KIT.

Was muss und kann notfallmedizinische Fortbildung leisten? Welche Neuerungen erwarten Sie? Die Referate boten Ihnen einen spannenden Einblick in diese Thematik. Der Vortrag zu "Serious games" bot einen spannenden Blick in die Zukunft elektronischen Lernens, speziell bei MANV-Szenarien. Fachzeitschriften und zertifizierte Kursangebote werden jedoch auf absehbare Zeit im Zentrum der systematischen Wissensvermittlung stehen - hier sind ERC, GRC und die agswn seit vielen Jahren gemeinsam sehr erfolgreich aktiv.

MRSA, ESBL, VRE, H1N1… - welche Auswirkungen haben Infektionserkrankungen auf unsere Arbeit im Rettungsdienst? Wie können wir uns und andere schützen? Diese Fragen wurden aus verschiedenen Blickpunkten betrachtet. In Rheinland-Pfalz wurde von einem Arbeitskreis aus ÄLRD, Desinfektoren des Rettungsdienstes, und Gesundheitsämtern eine praktikable und im Ergebnis zu mehr Handlungssicherheit und Kosteneffizienz führende landeseinheitliche Hygieneregelung im Rettungsdienst erarbeitet. Hochinteressant, kritisch und wie immer auch mit einer gehörigen Portion Humor die Ausführungen von Prof. Bhakdi aus Mainz zum Thema Neue Influenza H1N1: die Defizite, die bei diesem Thema in Deutschland in der Risikobewertung und Krisenkommunikation bestanden, machten sehr nachdenklich. Auch die ad hoc geänderte Pandemiedefinition der WHO erschwerte uns Ärzten den sachlichen Umgang mit dieser Erkrankung.

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